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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 346 mal aufgerufen
 Residentenecke
Lisa_ Offline



Beiträge: 3
Punkte: 3

25.03.2014 17:29
Arbeitsgesetz Zitat · antworten

Ich arbeite zum mit meinem Partner in einem Callcenter.
Die Tatsache dass Callcenter immer im schlechten Licht sind ist es doch ganz Angenehm dort zu arbeiten.
Bis auf dass Thema mit dem Beginn der täglichen Arbeit und Überstunden.
Ich habe bis jetzt leider nichts zu diesem Thema gefunden die meine Fragen beantworten.
Ich wäre sehr dankbar wenn mir jemand weiter helfen.
Meine Fragen sind:
Wenn laut Schichtplan die Arbeit um 11 Uhr beginnt und mein Stunden Konto auch ab 11 Uhr rechnet, ich aber morgens circa zehn Minuten brauche um meinen Computer zu starten plus etliche Programme, wann muss ich in der Arbeit sein?
Ich habe von vielen schon gehört dass ich dann um elf anfange.
Was ich suche ist ein Gesetzestext wo dies beschrieben wird.

Wenn ich freiwillige Überstunden Zusage und sie nicht machen kann, kann mich die Arbeit dazu verpflichten dies einzuhalten? Es wurde nur mündlich beschlossen.

Ich danke euch im Voraus

Liebe Grüße
Lisa

Lloreter Offline

Administrator

Beiträge: 300
Punkte: 303

25.03.2014 22:06
#2 RE: Arbeitsgesetz Zitat · antworten

Hallo Lisa,
erst einmal ein paar persönliche Gedanken dazu, bis ich die richtige Stelle im Arbeitnehmerstatut gefunden habe.
Allerdings ist meine Ausgabe nicht mehr die allerneuste.
Ich kenne es auch hier aus Spanien nur so, das alle mit der Arbeit in Verbindung stehenden Tätigkeiten auch INNERHALB deiner Arbeitszeit zu geschehen haben.
Als grober Vergleich:
Ich war als Fernfahrer in Spanien angestellt. Dementsprechend musste ich auch dafür sorgen, das mein LKW startklar und Einsatzbereit war. Allerdings stets innerhalb der Arbeitszeit. Unsere Firma hat sich streng an Recht und Gesetz gehalten.

Und was bei mir die Abfaghrtskontrolle war, ist bei dir mit dem Hochfahren des Computers und aller Programme zu vergleichen. Das gehört zu deiner Arbeit und ist ergo auch in deiner Arbeistzeit auszuführen. Deine Firma kann nicht verlangen, dass du solche Arbeiten, die der Firma keinen Umsatz bringen (können) gratis außerhalb deiner Arbeistzeit machst.
Das spanische Arbeitsrecht ist eigentlich für Arbeitgeber noch viel schärfer wie das deutsch für die Deutschen.

Und nun schon mal zu den Überstunden.
Wenn es nur eine mündliche Vereinbarung ist, sollte es im Falle eines Problems mit der Beweislage schwierig werden. Aber dein Arbeitgeber/Vorgesetzter und du, ihr wißt ja beide genau, wenn ihr solch eine Vereinbarung getroffen habt. Dies dann nicht einzuhalten, könnte Konsequenzen für dich ergeben, auch wenn der Arbeitgeber da rechtlich kaum was machen kann, eben aufgrund fehlender Beweislast.

Aber er kann die die Arbeit gehörig verleiden.

Von diesen Call-Centern, ob nun in Spanien oder anderswo hört man ja zwiespältiges, sowohl aus Kunden- als auch aus Arbeitnehmersicht.
Da ich damit aber keine eigenen Erfahrungen habe, werde ich mich dabei mir Urteilen zurückhalten. Ich weiß nur, das die am Telefon sehr lästig werden können und ich schon öfter mit Fangschaltung und Staatsanwalt gedroht habe. Jetzt habe ich Ruhe.

Für Aussagen aus dem Gesetzbuch musst du dich ein wenig gedulden, aber ich schaue nach.
Sollte ich mich bis übermorgen nicht gemeldet haben, sehe es mir nach und erinnere mich bitte noch einmal, danke.
Vielleicht kann dir ja auch wer anders schon mal was dazu sagen.
Gruß

Anna Offline



Beiträge: 54
Punkte: 54

25.03.2014 23:04
#3 RE: Arbeitsgesetz Zitat · antworten

Der Chef kann nicht nur die Arbeit verleiden, er kann auch einfach kündigen. Dazu ist in Spanien keine Angabe von Gründen nötig.
Es warten ja genug Arbeitslose.
Aufgrund dieser Tatsache würde ich schon mal 10 Minuten vor Arbeitsbeginn am Platz sein.
Wenn du Überstunden mündich zusagtest, wärst Du gut beraten, diese Zusage auch einzuhalten.
Das sind Erfahrungen aus einem langen Arbeitsleben in Spanien.
Was in Tarifverträgen steht, liest sich ja ganz nett. Aber es bleibt übrig, dass es keinen Kündigungsgrund geben muss.

Lloreter Offline

Administrator

Beiträge: 300
Punkte: 303

25.03.2014 23:42
#4 RE: Arbeitsgesetz Zitat · antworten

Das dich ein spanischer Chef ohne Gründe kündigen kann, ist nicht ganz richtig.
Ist die Kündigung nicht gerechtfertigt, so muss er eine im Arbeitnehmerstatut festgelegte Abfindung zahlen und kann sich auch noch strafbar machen. Eine Kündigung ohne Angabe von Gründen ist überhaupt nicht mehr möglich.
Die Zeiten, als Spanien goldener Boden für die Chefs war, die sind vorbei.
Hab ich dickes Buch wo alles steht geschrieben.

Hier schon mal ein paar Sachen für Lisa:
Betr. der Überstunden
Eine mündliche Absprache ist im Arbeitnehmerstatut nicht vorgesehen.
Bei außergewöhnliche Stunden (also Überstunden) spricht das Arbeitnehmerstatut stets von Tarifvertraglichen Regelungen, ist ein Tarifvertrag nicht vorhanden, muss es arbeitsvertragsrechtlich geregelt sein. Art. 35 Abs. 1 Arbeitnehmerstatut
Im Jahresdurchschnitt darf aber die gewöhnliche Arbeistzeit 40 Wochenstunden nicht überschreiten, wobei eine unregelmäßige Verteilung vertraglich geregelt sein kann. Art. 34 Abs. 1 Arbeitnehmerstatut
Zwischen Beendigung des einen und Beginn des nächsten Arbeisttages müssen mindestens 12 Stunden liegen. Art. 34 Abs. 3 Arbeitnehmerstatut

Also bist du laut Arbeitnehmerstatut nicht verpflichtet, dich an mündliche Absprachen zu halten. Das ist nun mal das, was das Gesetz sagt.

AAAAABER:
Wenn ich als Chef einen Mitarbeiter hätte, der mit mir mündlich eine Leistung vereinbart, sich aber dann des öfteren nicht an die Vereinbarung hält, dann wette ich mit dir, dieser Mitarbeiter würde freiwillig nach 3 Monaten Kündigen, wenn ich ihm nicht vorher etwas anhängen könnte. Das nennt man Unzuverlässigkeit.

Etwas anderes wäre es, wenn ihr zu den Überstunden gezwungen werdet. Dann verlangt das aber bitte schriftlich. Ihr könnt ja ruhig erwähnen, das nach spanischem Arbeitnehmerstatut mündliche Abreden über außergewöhnlich Stunden nichtig sind.

Aber bevor du etwas unternimmst, schau erst im Web nach, ob da keine Änderungen im Arbeitnehmerstatut vorgenommen wurden.

Du findest es zum Beispiel hier:
http://noticias.juridicas.com/base_datos...dleg1-1995.html

Anna Offline



Beiträge: 54
Punkte: 54

26.03.2014 07:04
#5 RE: Arbeitsgesetz Zitat · antworten

Das mit der Abfindung ist zwar richtig, aber sie fällt lange nicht mehr so üppig aus, wie früher einmal.
Als mir von meinem spanischen Arbeitgeben fristlos und ohne Grund gekündigt wurde, wollte er mir freiwillig 35 Arbeitstage pro gearbeitetem Jahr als Abfindung zahlen. Damit war ich nicht einverstanden. Ich war in der CCOO und bekam dort die Auskunft, wenn wirklich absout ohne Grund entlassen wurde, hätte ich Anrecht auf 45 Tage pro gearbeitetem Jahr. Diesen Satz bekam ich dann auch, was bei mehr als 10 Jahren ein ganz netter Batzen war. Aaaaber... eine neue Arbeitsstelle hat mir das damals nicht gebracht. Irgend wann war die Abfindung halt aufgebraucht. Ich hätte lieber meinen super Job behalten.
Heute sind die Sätze pro gearbeitem Jahr wesentlich geringer. Daher würde ich als Arbeitnehmer zwar nicht alles, aber doch etwas mehr als die Regel auf mich nehmen, um den Job fest zu behalten.
So ein Handbuch ist immer ein guter Anhaltspunkt. Doch was willst Du machen, wenn der Boss sich nicht daran hält? Ich bekam im ersten Arbeitsjahr (meines allerersten Arbeitgebers in Spanien) weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld und musste erst mit einer Anzeige drohen, bis der Chef bereit war, diese Gratifikationen auszuzahlen. Mein letztes Gehalt musste ich sogar vor dem Arbeitsgericht einklagen, was ein Jahr Zeit in Anspruch nahm.

Es ist genauso wie mit der Polizei. Recht haben und Recht bekommen sind oft zwei Paar Schuh.

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